In 12,68 Sekunden lief die 25 Jahre alte Bremerin das zweitschnellste Rennen ihrer Karriere, gewann die erste Medaille ihre Karriere und das neunte Edelmetall für ihr Team in Barcelona.
Gold ging in 12,63 überraschend an die Landesrekord laufende Türkin Nevin Yanit, die als europäische Ranglistendritte zur EM gereist war. Silber holte wie 2006 die frühere Hallen-Weltmeisterin Derval O'Rourke (Irland) in 12,65 Sekunden. Nur Platz acht blieb Nadine Hildebrand (Kornwestheim-Ludwigsburg/13,08), nachdem Cindy Roleder (Leipzig) im Halbfinale gescheitert war.
Nytras Freund Sebastian Bayer, der Barcelona als Hallen-Europarekordler (8,71 Meter) nach einer Operation verpasst hatte, nahm "Caro" nach dem Zieleinlauf in den Arm. Trost war nötig, auch wenn die Nervenschlacht im Hürdenwald nicht mit einem Fehlschlag geendet hatte.
"Ich war so konzentriert auf das Rennen, dass ich garnicht weiß, wo ich mir das dicke Knie geholt habe. Es tut weh", wunderte sich Carolin Nytra, die irgendwo angeeckt war.
Der Ärger über das verpasste Gold bleibt - doch die in diesem Jahr in 12,67 auf Platz drei in der Welt aufgestiegene Sportmanagement-Studentin hat ihren Qualitätssprung deutlich gemacht. Bisher waren die Halbfinals bei Olympia 2008 in Peking und der WM 2009 in Berlin Endstation gewesen. Nach der Heim-WM hatte sie sich geschworen: "Ein Patzer wie in Berlin soll mir nicht wieder passieren. Da blieb ich klar unter meinen Möglichkeiten."
Auf dem Kontinent lief 2010 nur die Russin Tatjana Dektjarewa (12,68) annähernd auf Nytras Niveau. Doch im EM-Finale spielte diese als Sechste in 12,98 keine Rolle. Nevin Yanit wurde in Barcelona zur zweiten Türkin, die EM-Gold gewann - doch die erste echte: Beim EM-Auftakt hatte die gebürtige Äthiopierin Elvan Abeyegesse über 10.000 Meter gesiegt.
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(mhö/SID,31.07.2010 20:55)