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Jan Delay im Interview

Foto: Universal
Im Interview mit Jan Delay staunen wir nicht schlecht, denn der ehemals fluffige Hamburger Rapper ist erwachsen geworden. Nicht nur seine Texte, er hat jetzt auch - wie er selbst sagt - einen Bart und kann Liebeslieder singen. Wir trafen Jan im Bayrischen Hof in München, befragten ihn zur aktuellen Single "Oh Jonny", zu seiner neuen Platte "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" und wissen somit endlich über die intriganten Machenschaften der Christina Aguilera Bescheid.



Nachdem wir die strengen Nutzungsbedingungen gelesen haben, haben wir uns gestern Abend Deine neue Platte angehört. Wieso legst Du darauf so viel Wert darauf, dass die CD so gut geschützt wird?

Das ist Universals Art zu sagen, dass es gefährlich ist oder Hälse brechen kann, wenn die Platte vor der eigentlichen Veröffentlichung bereits im Netz kursiert. Meine Art das zu sagen, ist, die ganze Zeit Scheiße drüber zu labern und so die Promo-CD zu zerstören, um sie zu schützen. Ich find meine Version ehrlich gesagt besser. (lacht)


Du warst aber schon gezwungen das zu machen, also die Promo-CDs ein wenig zu verfälschen?

Ja, es ist ernst gemeint und ich mach das auch schon seit meiner ersten Solo-Reggae-Platte. Das war im Jahr 2001, also seit es das Internet als Gefahr gibt. Man will auch diesen ganz großen Knall, man hat so lange gearbeitet, dass die schlimmste Angst ist, dass etwas ins Netz kommt, bevor es fertig ist. Das gibt es ja auch oft. So und mit der Zeit, der schwindenden Musikindustrie und den immer weniger verkaufenden Tonträgern ist es dann so, dass es nicht nur quasi meine künstlerische Angst ist, sondern auch eine existenzielle. Inzwischen ist es so hart, dass es nicht nur für mich eine existenzielle Angst ist, sondern eben auch für Universal. Das is auch kein Gejammer oder so, aber es ist eben einfach ein Fakt.


Bist Du der Meinung, dass die Musikindustrie weiterdenken muss?

Ich halte sehr viel davon. Das hätte die Musikindustrie schon mal ein bisschen früher tun sollen, weil die haben sich immer auf ihrem Ruhm und ihrer Kohle ausgeruht und wenn dann jemand kam und gesagt hat: "Hey MP-3 wird alles verändern und ihr werdet Euch noch umgucken", da haben sie am Anfang noch gelacht. Sie haben es aber nie für sinnvoll gehalten, mal irgendwie ihr Geld zu investieren, zum Beispiel in die Forschung, wie es andere Konzerne und Unternehmen eben auch machen, um mithalten zu können. Und als dann schlagartig alles zusammengebrochen ist, weil alle ne DSL-Leitung hatten, da haben sie sich umgeguckt und seitdem sind sie nur am jammern. Der einzige, der ein Alternativmodell gefunden hat, was irgendwie passt, ist nicht mal jemand der was mit der Musikindustrie zu tun hat. Apple haben auf einmal mit dem I-Pod und I-Tunes alles revolutioniert.


Textlich ist die neue Platte persönlicher geworden als Dein letztes Album, oder?

Ja, weil ich ein bisschen älter geworden bin und ich mich das jetzt auch trau. Es sind teilweise sogar Reime in den persönlichen Songs, die knapp acht oder neun Jahre alt sind. Zum Beispiel bei dem Song "Pinienwälder auf Minenfelder". Damals hätte ich super gerne für andere Leute Liebestexte geschrieben, weil sowas kann ich ja, aber ich wollte es eben nie selber performen. Immer wenn ich selbst eine Ballade gemacht hab, hab ich mir lieber den Text gecovert. Mir war das unangenehm, auf ner Bühne zu stehn und mein Gefühlsleben da auszubreiten, vor fremden Leuten und im Tageslicht. Da hab ich mich geschämt. Jetzt bin ich anscheinend irgendwie älter und selbstbewusster und jetzt ist mir das egal.


Und wie genau kam es zu dieser krassen Wendung?

Foto: Universal
Ich hab da einfach Lust drauf. Man will ja auch immer wieder was Neues machen oder ausprobieren. Wenn ich schon nicht mit einer komplett neuen Musikrichtung komme, dann hab ich jetzt wenigstens nen Bart und Liebeslieder.



Musikalisch bist Du also ziemlich in Deiner Ecke geblieben...

Ja, ich bin da geblieben und während ihr nicht da wart, haben wir in dieser Ecke sehr viel geprobt, gespielt und gelernt. Damit wir jetzt wirklich genau die Platte präsentieren können, die wir eigentlich schon letztes Mal machen wollten. Da konnte ich sie aber noch nicht machen, weil ich mich noch nicht lang genug in dieser musikalischen Ecke aufgehalten habe. Um sowas zu machen, musst du 150 bis 200 Konzerte mit der Band gespielt haben, damit man auch einen Sound hat und eingespielt ist. Man muss Erfahrung sammeln, was rockt und was nicht rockt. Ohne "Mercedes Dance" hätte ich diese Platte gar nicht machen können. Man muss sich erst Mal rantasten. Man muss in die Lehre gehen.


Deine Texte besitzen immer unglaublich viel Sprachwitz. Hast Du schon mal überlegt in Richtung Comedy zu gehen?

All das finde ich ziemlich geil. Ich bin ein kreativer Mensch, ich mag das alles und würde es sofort machen, aber ich habe leider keine Zeit. Aber wenn ich mit meiner Musik keinen Erfolg hätte, oder einfach die Schnauze komplett voll hätte, dann würde ich genau sowas machen. Ich hätte Bock ne Kolumne zu schreiben, ein Buch oder Comedy, nicht unbedingt zu machen, aber zu produzieren. Ich bekomm auch oft Angebote von Verlagen, weil ja jetzt irgendwelche Bushidos Bücher schreiben. Da sage ich immer: "Ich mach das gerne, ich ruf euch an wenn ich 50 oder 60 bin und keine Ideen mehr hab". Dann setz ich mich hin und schreib geile Bücher, aber im Moment schreib ich lieber geile Musik und trete damit auf.


Zu Deinen Live-Auftritten. Wie bereitest Du Dich darauf vor?

Also, im Moment bereiten wir uns schon seit einem Jahr vor. Uns war klar, dass wir nicht nur auf dem einen Plattenlevel die nächste Ebene erklimmen wollen, sprich von der Qualität, dem Wahnsinn und dem Glam, sondern auch auf allen anderen Ebenen. Vor allem auch auf der Live-Bühnen-Ebene. Gerade entwerfen wir eine neue Bühne. Das kann ich jetzt nicht alles verraten, aber einfach ne geile neue Stage aus schwarzem Hochglanzlack, wo sich alles drin spiegelt und Videoprojektionen laufen. Natürlich wollen wir so auch erreichen, dass wir in den größeren Hallen spielen können. Nicht wie bei "Mercedes Dance", wo das nur als Vorgruppe von Christina Aguilera der Fall war.


Stimmt es wirklich, dass Christina Aguilera Euch als Vorband rausschmeißen wollte?

Jein... also ja... wir haben sie auf jeden Fall krass weggeburnt, weil wir haben halt ne Show gemacht und haben gespielt. Bei ihr ist so ne komische Playbackinszenierung mit Zirkuspferden abgelaufen. Da is nix mehr live, nix mehr spontan, nix mehr Flash, das is dann wie so ne Fernsehproduktion. Wir haben halt derbe gerockt und in den Kritiken stand das auch immer drin und die waren dann echt angepisst. Am letzten Tag in Wien haben sie uns echt ganz hart sabotiert, das war echt krass. Nach dem Soundcheck haben sie Sachen verstellt und Kabel rausgezogen. Mein Mischer Tropf ist so durchgedreht, wurde so aggressiv, der wollte echt Leute schlagen und hat nur noch allen ins Gesicht geschrien. Wir sind da echt mit zornigen Gefühlen nach Hause gefahren, aber es war ja Gott sei dank der letzte Abend. Waren aber trotzdem ne geile Erfahrung und paar schöne Konzerte.


Vor knapp zwei Monaten war ja die Vodafone Jazz Rally am Düsseldorfer Flughafen. Wie war der Auftritt?

Foto: Vodafone
Der war geil. Es war für uns geil, weil wir zwar schon einen Auftritt im Mai bei einer Schiffstaufe in Hamburg hatten, da aber quasi nur so ein kleines Best-Of-Set gespielt haben. Das Ding in Düsseldorf war ja der erste Gig mit neuen Songs, neuen Medleys und nach einem Jahr Pause. Also praktisch "Back on the Scene". Wir haben unsere neuen Songs gefeiert und die Leute waren cool drauf. Es war einfach ein echt geiles Konzert.


Was viele auch noch interessiert: Was ist eigentlich Dein Lieblingspseudonym?

Jan Delay! Weil es endlich einen Schlussstrich unter diese ganze Pseudonym-Kacke setzt. Ich bin ja praktisch derjenige, der Schuld hat an diesen ganzen Pseudonymen, wegen meiner scheiß Verklemmtheit. Weil ich früher immer dachte, wenn ich jetzt andere Musik mache, muss das auch einen anderen Namen haben. Ich fand das auch als Fan immer scheiße, wenn aus nem Rap-Star plötzlich ein Tangotänzer geworden ist, er aber immer noch den gleichen Namen hat. Ich hab mir dann auch die Freiheit rausgenommen, eine Funk/Tanzplatte namens "Mercedes Dance" unter dem Namen Jan Delay rauszubringen, obwohl es kein Reggae war. Deshalb will ich auch bei Jan Delay bleiben.


Zu Dir als DJ: Legst Du eigentlich noch regelmäßig auf?

Würde ich gerne, aber gerade im letzten dreiviertel Jahr war ich nur im Studio und hab die Platte gemacht. Das nimmt deinen Kopf und dein Leben so ein, dass du auch für nichts mehr Zeit hast. Ich habe auch alle Anfragen für dieses Jahr abgesagt, weil ich die ganze Zeit Promo machen muss, Interviews geben und Videos drehen und dann auf Tour gehen. Ich glaube die eine Woche die ich dann mal frei hab, da hab ich keine Lust wieder in nem Club zu stehen. Da will ich ganz weg und in die Sonne.


Wie lang geht Deine Tour eigentlich?

Ohne Ende. Also es fängt mit den Festivals im September an, dann ein paar kleine Special-Auftritte und die offizielle Tour mit der neuen großen geilen Bühne geht ab Anfang Oktober los. Dann wieder Special-Auftritte und der zweite Teil der Tour und die dann hoffentlich in größeren Hallen. Ich hoffe es wollen viele die Tour sehen und das ist es ja auch wert. Ich meine, dann wenn wir merken, wir fangen an, uns und andere zu langweilen, dann hören wir auch auf. Aber so lange werden wir touren. Wir waren jetzt ein Jahr im Studio, wir sind heiß. Wir müssen spielen.


Das Interview führten Antonie Hänel und Melanie Klein.


Jan Delay & Disko No. 1 Tour
Fr, 09.10.2009 BIELEFELD Ringlokschuppen
Sa, 10.10.2009 BREMEN Pier 2
So, 11.10.2009 KÖLN Palladium Köln
Mo, 12.10.2009 FRANKFURT Jahrhunderthalle Frankfurt
Mi, 14.10.2009 HOHENEMS / ÖSTERREICH Event Center
Sa, 17.10.2009 WÜRZBURG S.Oliver Arena
Mo, 19.10.2009 FREIBURG Rothaus Arena, Messe Freiburg
Di, 20.10.2009 BALINGEN Volksbank - Messe Balingen
Do, 22.10.2009 St. Ingbert Mechanische Werkstatt
Sa, 24.10.2009 DORTMUND Westfalenhalle 2
Mo, 26.10.2009 BERLIN Columbiahalle
Di, 27.10.2009 HANNOVER AWD-Hall
Do, 22.10.2009 CHEMNITZ Stadthalle Chemnitz, Großer Saal
Fr, 30.10.2009 KASSEL Eissporthalle Kassel
Sa, 31.10.2009 ROSTOCK Stadthalle Rostock
So, 01.11.2009 FLENSBURG Deutsches Haus


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Aktuelle Kommentare zu diesem Artikel

  • 02.09.2009 23:17:05 von Jessica:
    Diese musik ist nicht mein ding
  • 31.08.2009 16:12:34 von sirob:
    Hamburg City...


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