Brüderle kündigte eine Fachkräfte-Initiative an. "Mir geht es darum, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, mit dem qualifizierte ausländische Arbeitnehmer nach Deutschland kommen." Dazu wolle er auch Wirtschaftsverbände und Wissenschaftler einladen. Bei drei Millionen Arbeitslosen sei das Problem noch nicht so sichtbar, sagte Brüderle. "Aber je länger der Aufschwung anhält, desto größer wird das Problem."
Union und FDP haben im Koalitionsvertrag vereinbart, den Arbeitsmarktzugang für Ausländer neu zu regeln. "Der Zugang von ausländischen Hochqualifizierten und Fachkräften zum deutschen Arbeitsmarkt muss systematisch an den Bedürfnissen des deutschen Arbeitsmarkts ausgerichtet ... werden", heißt es darin.
Der integrationspolitische Sprecher der Grünen, Memet Kilic, gab zu bedenken, dass eine "Lockprämie" nicht ausreichen dürfte, um mehr qualifizierte Einwanderer nach Deutschland zu holen. Stattdessen brauche Deutschland eine "Lockatmosphäre" für ausländische Fachkräfte. "Kluge Köpfe achten bei der Einwanderung nicht nur auf die Bezahlung, sondern auch auf die gesellschaftliche Atmosphäre", sagte er.
Die Grünen begrüßten Vorschläge von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), die Einkommensgrenze abzuschaffen. "Ebenso muss die Visaerteilung dringend vereinfacht werden." Vielen anderen Unionspolitikern fehle dazu allerdings die Einsicht, meinte Kilic.
Sein Kollege Hartfrid Wolff von der FDP erklärte: "Konservative Abschottungspolitik ist von gestern." Der Mangel an Fachkräften könne durch eine gesteuerte Zuwanderung deutlich gelindert werden. Schavan und Brüderle "sind auf dem richtigen Weg", schloss er.
Der Hightech-Verband Bitkom begrüßte die Initiative zur erleichterten Zuwanderung ausländischer Experten. "Die derzeit gültigen Gesetze sind für den Zuzug von Hochqualifizierten immer noch zu restriktiv." Die Senkung der Einkommensgrenzen sei ein wichtiger Schritt, sagte Verbandspräsident August-Wilhelm Scheer. Wichtig sei außerdem, dass auch die Ehepartner automatisch eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung in Deutschland erhielten.
Scheer meinte auch, neue Gesetze allein reichten nicht. "Ausländische Experten sollten in Deutschland willkommen sein. Wir sollten Anreize schaffen und aktiv für den Studien- und Arbeitsstandort Deutschland werben." Mittelfristig empfahl er ein Konzept zur Steuerung der Zuwanderung auf Basis eines Punktesystems. Kriterien und Zahl der Zuwanderer "könnten von Politik und Wirtschaft gemeinsam je nach Bedarf und konjunktureller Lage festgelegt werden".
Aktuelle Kommentare zu diesem Artikel
Als ob wir nicht selbst genug qualifizierte Arbeitskräfte hätten!... Die stellt nur keiner ein, weil sie zu teuer sind... Das Problem mit Ausländern zu beheben find ich echt ne wahnsinnige Idee... Uns...
Typisch BRÜDERLE! Statt das erst mal in die eigene Bevölkerung in entsprechende Ausbildungen und Qualifikationen investiert wird, spart man lieber die Kohle und holt Fachkräfte aus dem Ausland. Man so...
P.S.: Wirtschaftwunder und der 70er-jahre entworfene Sozialstaat deutschland sind nicht mehr aktuell, weil die zeit uns überholt hat. Neue bedingungen sind entstanden und neue zeitgemäße lösungen müss...
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